Programm
Unter diesem zukunftsfrohen Motto lädt das Institut für
Vertrauensstörende Maßnahmen zur Jahreshauptversammlung. Und Heinrich
Pachl als managing director legt Rechenschaft ab. Da wird Bilanz
gezogen und Ausblick gehalten und Kassensturz gemacht – und ob dann was für die Gewinnausschüttung übrig bleibt, muss der Abend
zeigen.
Aber die Zuschauer, die mit Erwerb der Eintrittskarte Aktionäre wurden,
haben ein Recht auf Rendite. Aber immer nur den Finger in die Wunde
legen und das Lachen im Hals zum Stecken zu bringen – das reicht nun
wirklich nicht mehr. Da müssen klare Alternativen aufgezeigt werden,
damit es schlussendlich auch zu Entscheidungen kommen kann.
Was hilft wirklich und nachhaltig gegen die neue Kriegs-Demagogie, den
nervigen Sozial-Populismus, die geistig-moralische Sterbehilfe,
Finanz-Verschleierung... alles, was der Markt von Stimmung und Meinung
derzeit hergibt. Lassen wir uns die Grenzen der Unzumutbarkeiten noch
mehr erweitern? Wollen wir wieder das Primat des Politischen, oder
begnügt man sich weiterhin mit politische Primaten? Welches Maximum an
Widersinn kann der deutsche Durchschnittsbürger mit einem Minimum an
Berstschutz aushalten?
Geht es darum die Verhältnisse zu ändern? Oder darum zu trainieren, wie
man den laufenden Schwachsinn überhaupt noch aushalten kann? Geht es
weiterhin darum, die Enttäuschten zu trösten, die Hoffnungslosen
hinzuhalten, die Müden zu ermutigen, aber die Wütenden zu ermüden? Oder
soll man nicht jetzt endlich mal, aus Frust, Wut und Empörung
erneuerbare Energien schaffen? Da wird kontrovers debattiert, und Pachl
muss an vielen Meinungsfronten kämpfen. Duelle zwischen Pointen-Pistole
gegen Kalauer-Kanone sind angesagt, dass die Fetzen fliegen.
Aber es gilt weiterhin die Devise: Wer will, der kann, und wer nicht
kann, der will nicht, und wer nicht will, der kann uns mal, aber das
kann nun wirklich keiner wollen. So dass sich der Eintritt mit
Vergnügen und Lachen verzinst. Also: Das überleben wir!
Kritiken
Von Rebecca Piron
Bonn. Überall auf der Welt kriselt es. Staaten über Staaten verschulden sich, überall ist Krieg und die Atomkraftwerke gehen hoch. "Das überleben wir!", ruft Heinrich Pachl dem Publikum im Pantheon ganz zuversichtlich zu. Mit seinem neuen Bühnenprogramm versucht er eine neue Perspektive: Warum sollte man sich nicht mal positiv mit dem Weltgeschehen auseinandersetzen?
So sei es toll, Leute wie Wolfgang Schäuble in der Regierung zu haben, die die "südländische Weisheit mit Löffeln gefressen" haben. Sein Kommentar zur Hebelung des EU Rettungsschirms: Es geht nicht darum, ob es geht und wie es geht, sondern nur, dass es geht. "Klare Aussagen, das brauchen wir", meint Pachl. Auch die Griechen sollten sich nicht so anstellen. Ohne sie hätte es Europa nie gegeben und somit auch keinen Euro. Fazit: "Ihr seid schuld und müsst da jetzt eben durch!"
Die positive Sicht hält bei Heinrich Pachl allerdings nicht lange vor. Schnell fällt er zurück in eine tiefe Ratlosigkeit über die aktuelle Politik. Wie solle man zum Beispiel Philipp Rösler verstehen, der eine geordnete Insolvenz von Griechenland verlangt und sie dann an der eigenen Partei durchführt? Oder Karl-Theodor zu Guttenberg, der sich für eine oberfränkische Wettertanne hält, wenn er längst der abgesägte Weihnachtsbaum vom letzten Jahr ist?
Ob positiv und optimistisch oder doch nur von der Weltpolitik verwirrt und enttäuscht, Heinrich Pachl sorgt für intelligenten Witz mit tagesaktuellem Bezug.

